Samstag, 28. Januar 2017

Namibia Teil 7 - Hohenstein Lodge, Bull's Party - und unser "brenzliges Erlebnis"...

Moro Moro, ihr lieben Mitreisenden!


Beim letzten Mal erzählte ich euch von unserer Fahrt 
nach Sandwich Harbour. Am folgenden Tag verließen wir Swakopmund in Richtung Nord-Osten
und sahen uns die Mondlandschaft und die uralten Welwitschia-Pflanzen an. Auch darüber habe 
ich euch in meinem vorangegangenen Reiseberichts-Kapitel erzählt. Danach ging es weiter zu
unserem nächsten Quartier, der Hohenstein Lodge in der Nähe des Städtchens Usakos. Bei 
unserer Ankunft gab es dort gleich ein sehr spezielles Empfangskomitee: mehrere frei 
umherlaufende Strauße! Und sie waren gar nicht scheu (aber trotzdem harmlos)!



A short English summary of this post:
Our next accommodation was the Hohenstein Lodge at the foot of the Hohenstein massif (highest 
mountain of the Erongo Mountains) and close to the famous Spitzkoppe, the most photographed 
mountain in the country. Here we would have clearly needed more time for excursions. In the evening 
we experienced a thunderstorm in the mountains all around, but there was very little rain at the lodge.
  The next morning we visited Bull's Party & Elephant's Head, interesting shaped rocks in the 
area. On the way to Twyfelfontein we had a rather unpleasant situation with Himba street traders.
  Fortunately, everything went smoothly. And when we arrived at our next accomodation (Camp 
Kipwe) we were so excited that we forgot all the troubles immediately. 
Hugs, Traude




Oben seht ihr unter anderem, wie unser Appartment in der 
Hohenstein Lodge aussah - auch hier wieder alles sehr liebevoll und gepflegt, und besonders 
interessant fand ich im Badezimmer die kreativen Waschbecken und die geniale Warm-und-
Kaltwasser-Mix-Lösung mittels Kupferrohren. Diese gute Idee hatten sie leider nicht in allen
Quartieren (was das Händewaschen zuweilen etwas erschwerte 😉).

Die Lodge liegt an der Grenze zum Damaraland, am südwestlichen Fuß des 
Hohensteinmassivs. Nach diesem höchsten Berg des Erongogebirges ist die ehemalige Farm benannt. 
Die Hohenstein Lodge ist auch die nächst gelegene Unterkunft zur Spitzkoppe. Diesen interessanten 
Berg (bei dem es sich um den meist fotografierten in Namibia handelt) hätten wir gern besucht bzw. eine 
Wanderung in die Umgebung unternommen, doch dafür reichte die Zeit, die wir in dieser Gegend hatten, 
nicht aus.*) Solltet ihr selbst eine Namibia-Reise planen und Interesse an z.B. solchen Fotomotiven 
haben, kann ich euch einen Aufenthalt für zumindest zwei Nächte in dieser Gegend wärmstens
 empfehlen. 

*) Das ist leider immer eines der Probleme bei bereits daheim vorgeplanten Routen in noch unbekannten Gebieten - häufig 
stellt sich erst vor Ort heraus, dass eine weitere Übernachtung sinnvoll gewesen wäre. Aber ich halte es für durchaus 
möglich, dass wir Namibia wieder einmal besuchen - und vielleicht holen wir ja da alles nach, was wir diesmal nicht 
gesehen haben. HIER gibt's eine das Thema "Spitzkoppe od. Bull's Party" betreffende Forumsdiskussion für Interessierte.


 


Wir hingegen erkundeten am Abend dieses Tages und auch am nächsten Morgen die Umgebung der 
Lodge, wo es mehrere längere und kürzere Wanderwege gibt, und begegneten z.B. in der Nähe eines 
Wasserloches einigen Pavianen - die allerdings nicht gern fotografiert werden wollten. Oben rechts 
seht ihr einen, den Edi noch beim Davonlaufen erwischte. Der Leopard in der Collage weiter oben 
links war leider ein ausgestopftes Exemplar, das vermutlich schon vor langer, langer Zeit erlegt 
wurde. (Jedenfalls sah das Tierpräparat, das in der Rezeption auf einem Schrank steht, aus der Nähe 
betrachtet schon reichlich mitgenommen aus). Ein trauriges Ende für dieses wunderschöne, rare Tier... 
Wir hätten gern ein lebendiges gesehen - wenn auch nicht unbedingt während eines Spazierganges 😉 ...




In der Hohenstein Lodge
 (die übrigens - wie somanches andere Quartier - von ausgewanderten Deutschen geführt wird)
durften wir etwas erleben, das zu den heiß begehrten Ereignissen in Namibia gehört. Der Lodge-
Besitzer, der mit dem Wagen in den Bergen unterwegs war, schickte seiner Frau sogar ein Foto
davon - und sie erzählte es uns begeistert: REGEN! Richtig viel! Wir sahen dunkle, graublaue
Wolken über dem Erongogebirge und ab und zu auch mal einen Blitz zucken und waren gespannt, ob
das Gewitter auch zu uns kommen würde. Letztendlich verirrten sich gerade mal ein paar wenige
Regentropfen (ihr seht sie oben auf den Steinen verdampfen), die für das Outfitshooting vor dem
Abendessen kein Problem darstellten - sie waren nicht mehr als ein angenehmes kühles Prickeln
auf der Haut. Nass wurde man davon nicht. (In Zukunft will ich Regen als das betrachten, als
das es in manchen Teilen der Welt betrachtet wird - als ein kostbares Geschenk.)

(Mal schauen, wie oft mir das gelingt...)



Mein buntes Des*gual-Kleid hatte ich mitgenommen, weil es für mich einen starken Ethno-Touch besitzt - dieses Kleid
 war  nicht zum Weggeben gedacht, sondern um es in Afrika so richtig BUNT treiben zu können. Darunter wieder der 
übliche schwarze Rock. Achja - und vergesst ein eventuell vorhandenes Bedürfnis nach sauberen Schuhen in Namibia - sie 
werden dort IMMER binnen Minuten staubig.
 


Unten ein paar Eindrücke vom nächsten Morgen:
Das rote Shirt mit den für mich zu engen Ärmelausschnitten war hier meine Gabe ans Zimmer-
mädchen (irgendwie hatte ich da gerade nur ein Stück parat ... ich entdeckte nämlich, dass ich schön
langsam mit meinen noch vorhandenen Sachen haushalten musste); ein selbstverliebter Vogel flirtete
mit seinem Abbild im Autospiegel; die Ameib-Lodge war keine weitere Unterkunft für uns - hier
mussten wir jedoch durch, weil unser nächstes Ziel - Bull's Party - sich auf dem Gelände der Lodge
befindet; auch die vielen Pflanzen wuchsen vor dem Ameib-Haupthaus; die knorrige Holzbank
hingegen stand vor unserem Appartment in der Hohenstein Lodge; das Schild rechts unten war
schon ein Hinweis darauf, dass wir am nächsten Besichtigungs-Ziel angekommen waren: 





Sowohl bei Bull's Party als auch bei Elephant's Head handelt es sich um interessant geformte
Granitfelsen, die durch extreme Temperaturschwankungen sowie Millionen Jahre dauernde Erosion
in ihre spezielle Form gebracht wurden. Dieser Ort ist ein wahres Eldorado für leidenschaftliche
Fotografen - und somit auch für uns!






Genau genommen bräuchte man auch auf dem Gelände der Ameib Ranch noch viel mehr
Zeit, als wir zur Verfügung hatten. Denn dort gibt es nicht nur die riesigen "Billard-Kugeln" und
den Felsen, der einem Elefantenkopf ähnelt, sondern u.a. einen Klettersteig auf den Elephant's
Head und noch eine weitere Besichtungsmöglichkeit, für die man zumindest eine Stunde mehr
einplanen müsste: die Phillips-Höhle. Diese ist vor allem wegen der Felsenmalereien in ihrem
Inneren sehenswert.

Doch sowohl unser
Navi als auch die Dame an der Rezeption vertraten die Auffassung, dass die Fahrt zu unserem
nächsten Quartier viele Stunden in Anspruch nehmen würde. (Edi und ich können uns nicht mehr
genau daran erinnern, wie lange die rund 250 Kilometer lange Strecke angeblich dauern sollte, aber
ich glaube, es war die Rede von fünf oder sechs Stunden). Wir wunderten uns zwar darüber, doch da
wir inzwischen bereits ein paar schwierigere Straßen kennen gelernt hatten, gingen wir davon aus,
dass die nächste noch eine Spur schwieriger werden könnte. Und so ließen wir die Höhle links liegen
 und sahen uns nur an, was es in gut erreichbarer Nähe von Bull's Party zu erkunden gab.






Ein "Outfitshooting" war auch noch drin. Sowohl das Shirt als auch die Hose habe ich übrigens
wieder mit nach Hause genommen. Die Hose ist einfach mordsbequem und gut für Wanderungen
geeignet, und das Shirt fand ich von den Farben her dann doch sehr gut kombi-freundlich und
urlaubs-tauglich. Bei der Hose sollte ich allerdings aus praktischen und optischen Erwägungen unten
die Beine enger nähen. (Das denke ich mir allerdings schon lange und hab mich bisher immer darum
herumgedrückt 😉...)





In einer Felsspalte, die sich durch zwei nebeneinander liegende "Kugeln" ergibt,
kann man ebenfalls Felsmalereien sehen. Bei diesen handelt es sich allerdings um Repliken der
in der Umgebung entdeckten viele Jahrtausende alten Originale. Da wir jedoch wussten, dass
wir bei Twyfelfontein noch originale Felsenkunst sehen würden, begnügten wir uns
hier mit diesen Nachbildungen:







Tatsächlich ergaben sich auf dem folgenden Streckenabschnitt dann Schwierigkeiten für uns -
diese hatten allerdings nichts mit der Beschaffenheit der Straßen in Richtung Twyfelfontein zu tun...
Die waren zwar staubig und holperig und zuweilen musste man auf Springböcke, Rinder oder Esel
aufpassen, doch sie unterschieden sich somit durch nichts von den Fahrbahnen, die wir bereits hinter
uns gelassen hatten. (Und wir benötigten dafür auch keine fünf oder sechs Stunden - ich glaube, es
waren drei oder dreieinhalb.) Die wackeligen Verschläge und Hütten aus Wellblech, Plastik und Holz,
die ihr in der übernächsten Collage seht, sind übrigens die Behausungen der Menschen, die hier in
der Nähe von Städten oder Urlaubsunterkünften leben, um näher an Verdienstmöglichkeiten zu sein.

Es fällt uns immer noch schwer, die folgende Geschichte zu erzählen - vor allem, weil wir nicht
wissen, was da genau vor sich gegangen ist; was der Auslöser für die unerfreuliche Situation war,
in die wir ohne böse Absicht hineingeraten sind. Die Armut der Menschen, die versuchen, in dieser
Region mit Hilfe des Tourismus ihr Auslangen zu finden, mag eine mögliche Erklärung sein...
Aber sie erklärt uns nicht alles.





Kurz davor hatten Edi und ich noch einmal darüber gesprochen, wie schade wir es fanden, dass
wir bei der Kalahari keinen Kontakt zu Buschleuten bekommen hatten. Und dass es auf unserer Route
wohl auch keine Möglichkeiten geben würde, Menschen vom Volk der OvaHimba kennenzulernen,
da sich das "Himbaland" nordwestlich vom Etosha Nationalpark befindet - und dort würden wir auf
unserer Reise nicht hinkommen.

Abgesehen von der Erkundung unbekannter Landschaften und von der Möglichkeit, Wildtiere in
ihrer natürlichen Umgebung zu erleben, ist für uns in unseren Urlauben der Kontakt mit Menschen
anderer Kulturen immer interessant - besonders dann, wenn sie ein noch relativ ursprüngliches
Leben führen. Und genau das tun die Himba:





 Sie leben traditionell als Hirten und gelten als letztes (halb)nomadisches Volk Namibias.

Himba in Namibia (man schätzt das Volk auf etwa 7000 Menschen) leben auch heute noch – vergleichsweise unberührt 
von der europäischen Zivilisation – in ihrer sich ständig anpassenden und verändernden Tradition als nomadisierende 
Viehzüchter, Jäger und Sammler vor allem im Kaokoland, aber auch auf der angolanischen Seite des Kunene. Viele leben 
ohne Personalausweis und Urkunde in materiell extrem einfachen Verhältnissen. Wohlhabend im herkömmlichen Sinn war 
dieser Bantu-Stamm nie, dennoch empfinden sich Himba als vermögend, wenn sie eine große Viehherde besitzen und die 
Ernte gut war. Vor rund 100 Jahren wurden seine Mitglieder von kriegerischen Nama überfallen und ausgeraubt. Sie 
mussten bei den Nachbarn um Almosen bitten und wurden daher „Himba“ genannt, was Bettler bedeutet.
(Quelle: Wikipedia)


Besonders durch ihre auffällige Körperbemalung sind die Himba bekannt und auch für Fotografen
hoch interessant: Die Creme aus Butterfett und Eisenoxid-hältigem Ocker, mit der sich Männer wie
Frauen einreiben, verleiht den Himba ihre typische rote Hautfarbe. Diese Creme, die außerdem mit
dem Harz des Omuzumba-Strauches aromatisiert wird, schützt die Haut vor Stechmücken und Sonnen-
brand. Frauen fetten auch ihre Zöpfe mit dieser rostroten Paste ein, was ihnen einen ganz speziellen
"Look" verleiht. HIER und HIER könnt ihr euch ein paar Foto-Beispiele aus dem Internet ansehen.


Die Fotos dieser Collage habe ich allesamt DIESEM Wikipedia-Artikel entnommen.


Kurz und gut: Wir hielten es zunächst für ein großes Glück, als uns am Straßenrand der C35 in
Richtung Khorixas eine Himbafrau winkte, um uns auf ihren Verkaufsstand aufmerksam zu machen.
Edi rief begeistert: "Schau mal, da!" und auch ich freute mich - wer hätte denn damit gerechnet!?!?
Seit der Ortschaft Uis, wo wir getankt hatten, saß wieder ich am Steuer, und mit Vorfreude auf die
Begegnung lenkte ich den Wagen zu dem Verkaufsstand hin.

Die insgesamt etwa acht Himba schienen ebenfalls euphorisch, wir waren sofort umringt. (Ich
glaube, es waren drei Männer und fünf Frauen; außerdem gab es noch einige entzückende Klein-
kinder und ein paar Hühner bei der Verkaufsbude, die aus vier Tischen unter einem Sonnenschutz
 bestand.) Relativ schnell brachten wir unsere Frage an, ob wir Fotos machen dürften - die Antwort
lautete: Erst kaufen, dann fotografieren. Gut, kein Problem, ich wollte sowieso Mitbringsel kaufen
- Schmuck und kleine geschnitze Figuren für meine Tochter, für mich selbst, für einige Freunde
und Verwandte...



Aber leider war es doch ein Problem, denn die Frauen stürzten sich mit ihrem feilgebotenen Schmuck
gleich wie wild auf mich und behängten mich innerhalb von wenigen Sekunden mit unzähligen Arm-
bändern und Ketten. Edi wollten sie ebenfalls mit Schmuck behängen, doch er weigerte sich recht strikt
- das bremste die Frauen einerseits, machte aber andererseits die Stimmung nicht besser. Ich wusste
für mich selbst nicht so recht, wie ich mich fühlen sollte, denn in gewisser Weise hatte dieses "Nimm
meins, kauf mein's"-Verhalten ja etwas durchaus Rührendes (und wir hatten etwas Ähnliches schon mal
bei einem Kunsthandwerksmarkt in Jamaica kennengelernt), andererseits kann ich mit Bedrängung sehr
schlecht umgehen. Und ich weiß, dass Edi es noch schlechter kann als ich - das heißt, ich spürte gleich-
zeitig auch seine "Vibrationen", was mich in ziemlich großen innerlichen Stress versetzte. Wir wissen
natürlich auch, dass wir für diese Menschen extrem reich wirken mussten mit dem riesigen Mietwagen
und unseren auffälligen Kameras. Trotzdem sollten Himba, die am Straßenrand verkaufen, wohl schon
genug mit Touristen zu tun bekommen haben um zu wissen, dass diese ihre Einkäufe gern in Ruhe
auswählen - hätte ich zumindest gedacht ...


Straßenszenen in der Nähe der Tankstelle von Uis



Jedenfalls versuchte ich noch gute Miene zum vielleicht nicht bösen, aber unangenehmen Spiel zu
machen und bat Edi, meinen mit Schmuck behängten Unterarm zu fotografieren. (Das Foto könnt ihr
euch unten ansehen.) Und danach versuchte ich den Himba klar zu machen, dass ich in Ruhe ihre
Sachen ansehen wollte, um eine Entscheidung treffen zu können. Das funktionierte leider nicht,
ständig wurden mir bzw. uns irgendwelche weiteren Stücke vor die Nase gehalten, aber letztendlich
hatte ich mir von den verschiedenen Tischen etwa vier, fünf Armbänder und einen kleinen geschnitzen
Elefanten ausgesucht.

Von unserem Bummel durch einige Läden von Swakopmund hatten wir eine ungefähre Ahnung, was
Kunsthandwerk dieser Art kostet, wenn es nicht von den Erzeugern an Verkaufsbuden angeboten
wird (wenn also auch noch der Zwischenhandel mit bezahlt wird). Die Preisvorstellungen der Himba
lagen auf exorbitante Weise darüber - soll heißen, wir stellten uns etwa 200, maximal 300 Namibia-
Dollar für alles vor, sie wollten 200 bis 300 Dollar pro Stück. Sie wollten auch nicht handeln und keinen
Gesamtpreis machen, denn (was wir vorher nicht begriffen hatten): Jeder der Tische bot Schmuck von
einem/einer anderen Händler/in, und die Himba vertraten die Auffassung, dass man da nicht einen
Gesamtpreis machen könne und dass wir sowieso von jedem der Tische etwas kaufen sollten. Ihr Ton
war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich aggressiv - quasi Befehlston: "YOU BUY HERE AND HERE
AND HERE!"

 Edi reichte es schon lange, und ich hatte nun auch
endgültig genug von der Sache. Wir wären gerne bereit gewesen, etwas zu kaufen, wir wären auch
bereit gewesen, Fotos zu machen und dafür einen vernünftigen Preis zu zahlen - mittlerweile weiß ich
von diversen Internet-Reiseberichten, dass 10 Namibia-Dollar pro Fotografen der übliche Satz sind -
KLICK - wir hätten für eine ausreichende Menge an Fotos sogar 50 bezahlt), aber wir hatten keine
Lust, uns "ausnehmen" und für dumm verkaufen zu lassen, nur weil wir vielleicht die einzigen
potentiellen Kunden dieses Tages waren.




Die Damen mit den bunten Kleidern sind Herero-Frauen; sie tragen diese Tracht, seit europäische Missionare ihnen 
"schickliche Kleidung" aufgezwungen haben. Auch sie wollten uns zu ihren Verkaufsständen locken - aber nach dem 
Himba-Erlebnis blieben wir auf dieser Reise bei keinem einzigen Stand mehr stehen.


Wir sagten also, nein danke, das wäre uns zu teuer, und unter wildem Augengefunkel wurden mir
die Armbänder und Ketten wieder heruntergerissen, ziemlich unsanft übrigens. Dann fiel einem der
Männer ein, dass Edi ja mehrmals meine Hand mit dem Schmuck fotografiert hatte, und wollte dafür
 200 Dollar. Aber sicher nicht! Der Weg zu unserem Wagen zurück war ein Spießrutenlauf, denn
sämtliche erwachsene Himba umringten uns - und übrigens drohte uns einer der Männer auch mit
der Polizei (die hätte ich durchaus gern dabei gehabt) und zwei der Frauen hatten plötzlich Handys
mit denen sie uns entweder wirklich fotografierten oder zumindest so taten als ob. Das alles wirkte
ziemlich absurd.


Und dann kam der eigentlich schwierigste Teil - ich selbst hatte das Auto bereits erreicht, und da
ich ja die Fahrerin war, hatte ich auch den Schlüssel und konnte auf der Fahrerseite einsteigen, aber
Edi wurde weiterhin umringt und am Einsteigen gehindert. Ich fuhr ein Stück nach vorn und drückte
auf den Einsteigeknopf (was bei diesem doofen System jedes Mal mit Hupen eingherging), aber stets
blockierte einer der Himba die Wagentür und Edi konnte nicht ins Auto rein. Er wurde auch von der
Tür weggeschubst oder weggezogen, aber wie er mir anschließend erzählte, fühlte er sich dennoch
nicht in Panik, sondern überlegte nur sehr genau seine nächsten Schritte und Möglichkeiten.

Ich selbst war auch im klar durchdachten Programm: Edi war von der Tür abgedrängt worden, also
wieder (mit Gehupe) zusperren, damit kein Himba auf die Idee kommt, bei der hinteren Seitentür
einzusteigen. Mein Mann verhandelte derweil - und wie ich mittlerweile weiß, löschte er eins der
Fotos, das er von meinem Unterarm aufgenommen hatte, vor den Augen eines der Himba-Männer -
 denn auf diesem Foto waren im Hintergrund auch einige verschwommene Himba zu sehen. Dies war
das einzige Bild, das irgendwie "mehr zeigte" und daher eventuelle Anstoß erregt haben könnte.

Doch
das Löschen dieses Bildes änderte nichts, der Himbamannn wollte immer noch 200 Dollar und er
sowie die anderen Himbaleute hinderten Edi noch immer daran, ins Auto einzusteigen. Ich ruckelte
währenddessen mit dem Wagen nach vor und zurück, betätigte den Türöffner, sperrte wieder zu - hup,
hup - und überlegte, ob es etwas bringen würde, den Verkaufsstand oder die Hühner zu überfahren
bzw. so etwas zumindest anzudeuten. Irgendwann bekam ich kurz Blickkontakt zum "Rädelsführer"
der Himba - und fauchte ihn an wie eine verdammt wütende Raubkatze. Für einen kurzen Moment
war Erschrecken in seinen Augen zu sehen. Vielleicht war das ja eine Sprache, die er verstand?

Ich weiß nicht, ob es das war, was uns half, aus der Situation rauszukommen - kurz darauf schafften
wir jedenfalls genau den richtigen Winkel, Edi konnte in den Wagen springen, ich startete los und wir
rauschten davon. Edi erzählt mir anschließend, dass der aggessivste der Himbamänner auch einen
großen Stein in der Hand gehalten und eine Attacke auf ihn oder unser Fahrzeug angedeutet hatte -
aber daraus war zum Glück nichts geworden...




Eine ziemliche Herzklopf-Aktion also - denn wenn man darüber nachdenkt, hätte uns doch einiges
passieren können - ob man uns nun angegriffen hätte oder auch "nur" unsere Kameras oder das
Fahrzeug beschädigt ... -  doch wir haben schon auf früheren Reisen die eine oder andere Situation
gemeistert, die nicht ganz unbedenklich war. Wir haben in diesem Punkt also schon ein gewisses
Selbstvertrauen entwickelt. Und letztendlich fällt so etwas danach dann unter "Abenteuer"...

Bis wir unsere nächste Unterkunft (Camp Kipwe) erreichten, ging es uns schon viel besser und wir
fühlten uns angesichts unseres neuen Quartiers bereits wieder relativ entspannt: Kein Wunder, wenn
man sich die Bilder von der Lodge ansieht, in der wir die folgende Nacht verbringen würden. Doch
mehr von dieser Unterkunft zeige ich euch erst in meinem nächsten Post - ihr könnt auf alle Fälle
davon ausgehen, dass dieser Ort äußerst sehenswert war! Die Managerin dieses neuen Quartiers war
übrigens sehr verblüfft, als wir ihr von unserem Erlebnis mit den OvaHimba erzählten - sie meinte,
Himba wären normalerweise nie aggressiv, aber möglicherweise habe es damit zu tun, dass sie so weit
von ihrem Zuhause weg wären und sich daher unsicher gefühlt hätten... Ich lasse das jetzt mal so
stehen ...


Gut Ihr Lieben, ich mach's am Ende kurz: Fortsetzung folgt!
Auch dieses Posting verlinke ich (u.a. wegen der nachhaltig genutzten Reisekleidung
 und der erhaltenswerten Natur) bei ANL. Ich verlinke diesen Beitrag außerdem bei Sunnys 
Um Kopf und Kragen sowie bei ihrem Schmuckkistl, bei Tinas Freitagsoutfit und bei
Sabines Aktion Outfit des Monats ... Und mit den roten Häusern der Hohenstein Lodge sowie
mit dem Rot in meinem Des*gual-Kleid mische ich auch wieder bei Juttas 
Aktion Ich sehe rot mit!


Fotos: Herr und Frau Rostrose
Alles Liebe von eurer reiselustigen
Traude





Klicks zu den einzelnen Kapiteln des Reiseberichtes (wird regelmäßig aktualisiert):
Einleitung - Out of Africa
Namibia Teil 2 - Kalahari-Sundowner
Namibia Teil 3 - Von der Kalahari in die Namib  
Namibia Teil 4 - Die Dünen beim Sossusvlei und Deadvlei
Namibia Teil 5 - Solitaire und Swakopmund 


Mittwoch, 25. Januar 2017

Russisches Wintermärchen Teil 2

Servus ihr Lieben!



Wie ich euch ja neulich erzählt habe,
findet das "russische Wintermärchen" eine Fortsetzung - oder genauer gesagt,
die Linkup-Aktion der Modischen Matronen, bei der es darum geht, zu einem bestimmten
Thema ein Outfit zu zaubern, und zwar möglichst aus schon vorhandenen Schrankinhalten. In
meinem vorigen Wintermärchen-Beitrag habe ich mich mehr auf die folkloristische Seite des
Themas konzentriert. Als am Sonntag nach dem Dreikönigstag jedoch Väterchen Frost mit Frau
Holle gemeinsame Sache machte und unseren Garten in flauschiges Weiß tauchte, war klar, dass
ich auch dazu etwas ausprobieren wollte. Es hat ein bisserl gedauert mit dem Posten dieses
Beitrages und inzwischen ist die ganze weiße Pracht dahin, aber wenigstens die Fotos
 erinnern noch daran!

 

A short English summary of this post:
My blog post of today is once again inspired by the theme of the "Modish-Matrons" 
bloghop: Russian Winter Fairy tale! Today it's the "white version" ;-)
Hugs, Traude






Natürlich tauchen auch bei Suchbegriffen wie
Wintermärchen, Schneekönigin, "russian fairy-tale", "russische Winterbraut" etc. im Internet
wieder viele Bilder mit Pelzen auf - doch die Stimmung, die diese Bilder ausstrahlen, ist eine
ganz andere als die, die neulich durch die traditionellen Kleider in rot und Schwarz und mit
großen floralen Mustern entstand. Besonders die weiß-in-weiß gehaltenen Bilder haben es mir
diesmal angetan!


Schneeweiße Inspirationen aus dem Internet via KLICK KLICK KLICK KLICK KLICK KLICK



Und so kreierte ich ebenfalls einen weiß-in-weiß-Look. Der "Umhang" ist übrigens der Rest
einer alten Spitzengardine:




Sogar ein Foto des Kult-
Märchenfilmes "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" tauchte bei meiner Suche nach Inspirations-
Bildern auf und passt, wie ich finde, gut dazu. Und natürlich waren auch wieder Details mit Pelz,
Spitze und Schmuck dabei.


Inspirationen aus dem Internet via KLICK KLICK KLICK KLICK KLICK KLICK KLICK KLICK


 Also kramte ich hervor, was ich an Winterlichem und auch Sommerlichem in Weiß,
Creme und zartem Beige zu bieten habe: Ein ärmelloses kurzes Sommerkleidchen mit 
Spitze und Perlenstickerei, darunter ein weißes Langarm-Tunikashirt und ein gestrickter Pulli
mit Lochmuster sowie mein Rock im Wäschelook in beige. 



Inspirationen aus dem Internet via KLICK KLICK KLICK


Zur Abrundung Wollschal und
Wollhandschuhe sowie ein Spitzenschal, der auch mal kurz eine Art Kopftuch spielen 
durfte. Um die Taille schlang ich mir ebenfalls einen Spitzenschal. Und in beige besitze
 ich sogar einen Mantel mit Kunstpelzkragen. Nur für die Beine habe ich nichts Helles,
aber ich fand, dass meine braunen Leggings, dazu die braunen Kaschmirsocken und die 
derben braunen Winterstiefel einen durchaus guten Kontrast zu als dem weißen 
Spitzengetüddel bieten:

Wie ihr rechts seht, war bei meinem Shooting sogar ein Schimmel Nikolaus dabei (wie im "Drei Haselnüsse für 
Aschenbrödel"-Film 😉)


Auf manchen der Fotos trage ich cremeweiße Wollhandschuhe, auf anderen gelbe.
Die gelben waren vor mehr als zehn Jahren das Geschenk einer Freundin, die nicht wusste,
dass mich weder das lichte Gelb noch echtes Fell besonders begeistern. Wenn man diese hellen
Handschuhe waschen will, kann man das nur händisch bis zum Fellrand tun, eine ziemlich
unpraktische Angelegenheit also. Deshalb trage ich die Handschuhe so gut wie nie - für das
"zartfarbige Shooting" kramte ich sie allerdings hervor. Und vielleicht werde ich sie demnächst
 sogar mal mit meinem gelben Schal tragen.


Hier stammen alle Fotos von DIESER wunderschönen Seite!


Am liebsten mag ich Fell in "herumlaufender" Form - wie z.B. hier Kater Maxwell 
im Schnee. (Er wollte dann schnell wieder ins Haus 😸) Die Pelzchen an meiner Kapuze 
und an den Stiefeln sind übrigens künstlich. Wobei es durchaus einen Gedanken wert ist, dass
"fake fur" aus Kunstfasern - also aus Erdöl - hergestellt wird und daher aus ökologischer Sicht 
bedenklicher ist als echtes Fell. (Woran man wieder erkennt, die ultimative Wahrheit und
die ideale Lösung gibt es nicht...)






Ich sag's einfach so: Selber möchte ich nicht unbedingt Pelz tragen - aber wenn ein Fell 
nachweislich aus artgerechter Tierhaltung kommt bzw. ein Jagd-Nebenprodukt ist und das 
Fleisch des Tieres auch noch für Ernährungszwecke genützt wird, ist das eine sehr natürliche, 
ursprüngliche Sache, die für unsere Vorfahren ganz normal und überlebensnotwendig war. 

Bei guter Pflege ist ein Mantel oder eine Jacke aus echtem Pelz außerdem ein langlebiges und 
hochwertiges Kleidungsstück - was man von vielen fake-fur-Stücken nicht unbedingt behaupten
 kann - die werden schnell mal zu Sondermüll. Vintagepelze aus dem Second-Hand-Laden oder 
Erbstücke sind aus ebendiesen Gründen in meinen Augen auch "in Ordnung" - ein wertvolles 
Kleidungsstück wird weiter verwendet. 


Inspirationen aus dem Internet via KLICK KLICK KLICK KLICK

Schlimm 
finde ich Echtpelze hauptsächlich dann, wenn seltene Tierarten für die Eitelkeit abgeknallt 
werden oder arme Nerze, Blaufüchse und andere hübsche Fellträger grausam zusammengepfercht 
und keineswegs artgerecht in Käfigen gehalten und auf brutale Weise getötet werden, nur damit 
Madame (oder selten auch Moniseur) damit angeben kann. Dazu HIER ein sehr sehr trauriger
Blick auf Chinas grausame Tierfarmen (ich konnte mir das Video nicht ansehen, der Text ist
schlimm genug).




Aber wie ihr seht, kann man ein russisches Wintermärchen-Outfit durchaus auch ganz ohne
Pelze erzeugen. Mit diesem Mix bin ich übrigens NICHT ins Büro gegangen, da nahm ich mir
tasächlich an diesem herrlich verschneiten Sonntag Zeit für Verkleidungsspiele. (Einfach 
mal wieder "Kind sein" bereitet schließlich Freude und lenkt gut von manchem Alltags-Bäh 
ab...) Die Einzelteile des Ensembles werden euch aber demnächst wieder begegnen, denn 
an den Tagen rund um das Wintermärchen-Shooting habe ich daraus dann Büro-taugliche 
Kombinationen zusammengestellt.


Hier stammen alle Fotos von DIESER wunderschönen Seite


Nun möchte ich euch noch einmal allen herzlich danken für eure Kommentare zu und 
Beteiligungen bei der ersten ANL-Aktion im Jahr 2017. Ich freue mich, dass ihr auch heuer 
wieder voll dabei seid! Bis zum Abend des 1. Februar habt ihr noch die Möglichkeit, eure 
achtsamen, nachhaltigen und lebenswerten Beiträge DORT zu verlinken. 

Und auch für eure lieben Zeilen zu meinem vorigen Namibia-Reiseberichtskapitel möchte 
ich euch noch einmal herzlich DANKE sagen. Ich hoffe, mein nächstes Posting wird ebenfalls 
wieder ein Namibia-Kapitel sein - mal sehen, wie ich es schaffe...




Mehr zum Thema "Russisches Wintermärchen" HIER und HIER und HIER -
und beim Bloghop dieser drei Ladies verlinke ich mich auch. Außerdem bin ich mit 
diesem Post bei Sunnys Um Kopf und Kragen sowie bei ihrem Schmuckkistl, bei Tinas 
Freitagsoutfit,  bei Sabines Aktion Outfit des Monats und wegen der nur aus meinem
Schrank "geshoppten" Kleidung auch bei ANL dabei!


Herzliche Rostrosengrüße,
eure Traude



PS: 

Zum Schluss noch ein Tipp für alle, die lieber Fair-Trade-Kleidung als Dritte-Welt-Ausbeuter-Klamotten kaufen würden, 
diese bisher aber zu teuer fanden: Derzeit gibt es auch bei der Fair-Fashion Winter-Abverkauf. Im Utopia-Newsletter (den 
ich euch auch für andere Umwelt- und Konsumenten-Informationen ans Herz legen möchte) wurden die schönsten Teile 
aus dem Winter-Sale herausgepickt - mehr darüber HIER. Dies ist übrigens keine bezahlte Werbung, sondern schlichtweg 
Info von mir an euch.

Und HIER findet ihr 10 spannende Fair-Trade-Modelabels der Ethical Fashion Show 2017! 

Freitag, 20. Januar 2017

Namibia Teil 6 - Sandwich Harbour und Welwitschia-Drive


Hello, liebe treue und neue LeserInnen!


Ich freue mich sehr, dass ihr mich heute wieder bei einem Ausflug in die Natur Namibias
begleiten wollt! Genau genommen sind es sogar zwei Ausflüge an zwei verschiedenen Tagen -
aber immer schön der Reihe nach 😉 ...

In meinem vorigen Reiseberichts-Kapitel erzählte ich euch, dass sämtliche
Touren, die uns für die Umgebung von Swakopmund und Walvis Bay ursprünglich interessant 
erschienen, bereits ausgebucht waren. Deshalb entschieden wir uns für eine der wenigen
noch verfügbaren Touren - eine Vierrad-Fahrt zum Sandwich Harbour - die uns zunächst nicht
 so sonderlich gereizt hatte, weil wir uns unter der Beschreibung im Prospekt nicht sehr viel 
vorstellen konnten - und waren damit letztendlich sehr zufrieden. 


A short English summary of this post:
  Welcome to my 6th Namibia Travel Report! Today, I tell you about our four-wheel drive to the 
Sandwich Harbour - which was not very tempting for us at first - but we were ultimately very 
satisfied and had a lot of fun. The next day we undertook another excursion - to the Welwitschias, 
a rare and strange plant that grows only in Namibia and can get older than 2000 years.
Hugs, Traude


Ein Blick auf die Lagune von Sandwich Harbour und einige Vertreter der dortigen Tierwelt

Die Fahrt zum Sandwich Harbour kann nur stattfinden, wenn dort Ebbe ist. Und es dürfen auch
 nur ausgebildete Fahrer mit dafür zugelassenen Allradwagen diese Touren durchführen. Anders als 
bei manchen Quad-Touren (über deren Problematik im Zusammenhang mit der sensiblen Wüsten-
Natur ich euch in meinem vorigen Namibia-Post erzählt habe) scheint bei den 4x4-Touren in 
diesen Teil des Namib-Naukluft-Parks  behutsam mit der Umwelt umgegangen zu werden.

Wir wurden nach
dem Frühstück abgeholt - bis zur Ankunft unseres Fahrers hatten wir jedoch noch genug Zeit 
für ein kleines "Outfit-Shooting" im Garten unseres Swakopmunder Gästehauses. (Eine der 
Mauern dort ist mit Fotografien der "Jetty" geschmückt, über die ich euch im letzten Kapitel
erzählt habe.) 

Zu diesem Ausflug trug ich schwarze Stretch-Jeans, von denen ich mich ein paar Tage später 
trennte (weil ich sie nicht ausreichend bequem fand), sowie ein taubenblaues Langarmshirt und 
ein schwarzes Hemdblusenkleid oder Safarihemd oder wie auch immer man es bezeichnen möchte. 
Die beiden zuletzt genannten Stücke schafften es tatsächlich wieder mit mir nach Hause. Der 
neue Hut wurde natürlich auch gleich ausgeführt, und weil das Tuch, das ich am Anreisetag als 
Haarband getragen hatte, farblich so gut passte, durfte er an diesem Tag als feminines Hutband 
agieren.




Ich zog mir wieder die Wanderschuhe von unserem Ausflug zu den Sossusvlei-Dünen an, was
eine kluge Entscheidung war. Noch klüger wäre es allerdings gewesen, auch wieder die Gamaschen
zu tragen, aber daran dachte weder mein lieber Mann noch ich. War aber nicht wirklich schlimm...

Unten seht ihr, dass Edi auch seinen neuen Hut trug, und außerdem seht ihr den Guide und das 
Fahrzeug, mit dem wir an diesem Tag unterwegs waren. Unser humorvoller und versierter Fahrer 
hieß mit Vornamen Burger (aber sein Nachname war nicht King 😉). Um im Wüstensand weniger 
schnell einzusinken und eine größere Auflagefläche zu haben heißt es vorher: Luft ablassen!




Die Tour fand übrigens in englischer Sprache statt. Die anderen Touristen, die mit uns im 
Allradwagen durch den Küstenabschnitt der Namib-Wüste unterwegs waren, stammten fast alle aus 
Kanada. Auf dem rechten der großen Fotos in der oberen Collage seht ihr, wie knapp der befahrbare 
Sandstreifen zwischen Meer und Dünen war. Bei höherem Wasserstand ist hier kein Durchkommen 
mehr möglich.  

Die hübschen, großohrigen Schabrakenschakale zählten zu den ersten Tieren, die wir auf unserer 
Fahrt nach Sandwich Harbour sahen. Aber auch Robben und verschiedene Vertreter der Vogelwelt 
suchen in diesem Gebiet nach Futter. 
 

Die schwarzen "Felsen" an der Küste bestehen eigentlich aus gehärtetem Ton / Lehm.
 


In meinem vorigen Namibia-Post erwähnte ich den weinroten Farbton des Sandes an manchen 
Stellen. Burger zeigte uns mit Hilfe eines umgedrehten Fernglases, das wie eine Lupe funktioniert, 
dass der Sand aus lauter kleinen glitzernden Kristallen besteht - die Farbe  erklärt sich aus dem 
hohen Granatanteil, der hier enthalten ist.

Doch wie schon in der Gegend ums Sossusvlei spielt die Wüste auch hier mit verschiedensten 
Farbtönen - von Beige über Hellbraun bis zu sattem Rotorange ist fast alles dabei! Hier unten
seht ihr uns beim Erklimmen einer der Dünen - und beim Hinunterlaufen. Letzteres macht nicht
nur großen Spaß, es entsteht auch ein komisches Geräusch dabei ("roaring")...



 


In diesen niedlichen kleinen Seehund, den Edi mit dem Riesen-Tele so hübsch 
porträtiert hat (großes Foto nächste Collage) haben wir uns alle verliebt - aber 
auch seine Artgenossen sahen entzückend aus, finde ich. Manche blieben faul liegen, als wir 
herankamen, um sie zu fotografieren, andere verdrückten sich sicherheitshalber ins Meer. Sie 
kommen von einer der gegenüberliegenden Inseln, auf der es größere Robbenkolonien gibt,
angeschwommen und ruhen sich am Strand von Sandwich Harbour von ihrer Nahrungssuche
 aus, bevor sie wieder zur Kolonie zurückschwimmen.




 Aber auch die großen Vogelkolonien bei der Lagune waren für uns alle fotografisch 
sehr interessant. Die zahlreichen schwarzen Vögel in der nächsten Collage sind Kormorane,
der große weiße ein Reiher ...




Flamingos und Pelikane kann man bei der Lagune ebenso beobachten. Und manche Pflanzen,
die so aussehen, als könnten sie sowohl über als auch unter Wasser existieren ...
 


Es handelt sich hier um ein Naturschutzgebiet - selbst für die autorisierten Guides heißt es 
spätestens bei dem "Einfahrt-verboten"-Schild anhalten und Motor abdrehen. Es ist aber ohnehin
 viel schöner, hier zu Fuß zu gehen und die Vogelspuren im Sand oder die über den Strand 
"kriechenden" Pflanzen ganz aus der Nähe oder von einer der Dünen aus zu betrachten. 

 


Bei der Lagune kann man auch schön picknicken, meinte Burger. Und fing an, aus seinem
Wagen diverse Campingstühle, ein Tischchen samt Tischdecke und verschiedenste Leckereien
hervorzuzaubern. Unter anderem gab es eine Springbock-Lasagne und griechischen Bauernsalat
sowie anschließend Kaffee und Kuchen - alles sehr köstlich! Und Spaß machte es auch, unser
Picknick am Strand!
 




Außer unserer Verpflegung könnt ihr oben auch noch sehen, dass einige unserer Mitreisenden 
bereits auf ihre Schuhe verzichteten oder Sand ausschütteln mussten. Bei Edis und meinen höher 
geschnittenen und sehr leichten Bergschuhen gab es dieses Problem selbst ohne Gamaschen nicht. 
Kann ich euch also nur empfehlen, wenn ihr selbst eine Namibia-Reise oder eine Wüsten- bzw. 
Dünenwanderung irgendwo anders plant.




Dafür mussten wir auf dem "Gipfelpunkt" einer der Dünen unsere Hüte festhalten, denn da oben
wehte eine "steife Brise" - die blähte mir auch mein Hemdblusenkleid ganz gewaltig auf  😉. Diesen
zweiten Teil der Sandwich-Harbour-Tour fanden wir übrigens auch sehr unterhaltsam - denn jetzt
fuhren wir (auf "Brutplatz-freundlichen" Pisten) wie auf einer Achterbahn über die Sandhügel.
Manchmal kam es uns drinnen ganz schön steil vor - von außen sieht es auf den Fotos allerdings
leider gar nicht so spektakulär aus. Unter anderem bekamen wir demonstriert, dass auch ein Auto
das weiter oben erwähnte "roaring" beherrscht.

 
Seht euch mal die seltsam "blümchen-förmigen" Hinterbeine der Grille an!


Zwischendurch stoppte Burger mehrmals für uns und zeigte uns z.B. Tiere in der Wüste (das
kleine, fast transparente Tierchen oben ist eine Wüstengrille) und eine Wasserstelle, wo man 
mit nur ein wenig Graben feinstes Trinkwasser unter dem Sand finden kann (siehe Collage unten).
 Herr Rostrose und ich probierten das Wasser mutig und es schmeckte tatsächlich köstlich und 
kühl. Außerdem zeigte uns unser Guide eine Grabstätte, die vermutlich von den Mitgliedern
eines Nomadenstammes herrührt, der mit den San verwandt ist.

Am Ende unseres Ausfluges gab es noch einen Zwischenstopp bei einer Flamingo-Kolonie, 
die sowohl aus großen als auch aus Zwergflamingos besteht. Den eleganten Krill-Fressern sahen 
wir eine Weile zu, dann kehrten wir wieder in unser B&B zurück, ruhten uns dort noch ein wenig
 aus und besorgten danach abermals ein kleines Abendessen im Supermarkt. Viel brauchten wir 
an diesem Abend nicht, wir hatten schließlich zu Mittag fein gepicknickt 😊




Am folgenden Morgen gab's zunächst ein ausgiebiges Frühstück und dann sortierte ich wieder 
zwei Kleidungsstücke aus: Diesmal blieben das beige Shirt vom Kalahari-Tag und ein knöpfbares 
schwarzes Longshirt in unserem Quartier zurück. (Das Longshirt hatte ich am Vortag nur mal 
kurz anprobiert und dann gleich verworfen. Ich gefiel mir damit einfach nicht mehr.)
 
Anschließend suchten wir die Swakopmunder Außenstelle des "Ministry of Environment and
 Tourism" auf, um uns eine Einfahrtsgenehmigung für den Welwitschia-Drive zu besorgen. Denn
ohne solch ein "Permit", hieß es, darf man da nicht rein. Ich fragte mich zwar vage, wieso uns 
dann ein Abstecher dorthin in unserem Reiseprogramm schon am Vortag (also vor der Gelegenheit, 
solch eine Genehmigung in Swakopmund zu besorgen) empfohlen worden war und ob sie daher 
wirklich notwendig ist - aber so teuer ist das Permit nicht (derzeit 40 Namibia-Dollar pro Person 
und 10 ND fürs Fahrzeug = insgesamt rund 6 Euro) und sicher ist sicher. Sehen wollte die
Genehmigung dann allerdings keiner.


Rechts oben das prächtige Gut Richthofen, an dem uns der Zufall vorbeiführte - hier ist es wärmer als an der nahe 
gelegenen Küste; man kann hier in Appartments Urlaub machen und im Garten in einem schönen Pool planschen. 
Links unten wieder ein Tok-Tokkie (Nebeltrinker-Käfer)
 
 
Letztendlich 
fand ich es aber trotzdem ganz praktisch, dass wir diese Bestätigung in der Hand hatten, denn der 
kopierte Plan, mit dem uns die Swakopmunder Beamtin Richtung Mondlandschaft und Welwitschias 
losziehen ließ, war eine recht ungenaue Zeichnung und unser doofes Navi schickte uns mal wieder 
nur in die "ungefähre" Richtung, aber leider ans falsche Ziel. Bei der Gelegenheit durchfuhren wir 
mutig ein als Privatgebiet gekennzeichnetes Gelände und landeten auf einer Baustelle...
Falls uns dort jemand Vorhaltungen gemacht hätte, hätten wir immerhin mit der Genehmigung
wedeln können. Aber der ziemlich bekifft wirkende Typ, der bei der Baustelle offenbar die Funktion 
eines Aufsehers innehatte, schien sich nicht einmal sonderlich über unser Auftauchen zu wundern.
Er zeigte jedenfalls in eine bestimmte Richtung - und wir hatten zwar keine Ahnung, ob der
Mann wusste, wovon er sprach, aber da es keine großartige Auswahl gab, folgten wir seinem 
Hinweis eben. 

In den Collagen oben und unten seht ihr die Landschaft, durch die uns das Navi fälschlicher
Weise schickte - und weil ich schon mal da war, musste ich gleich auch mal ein bisserl die 
Felsen dort erkunden. Ich muss sagen, auch wenn wir hier nicht unbedingt landen wollten,
gefiel es mir ziemlich gut:




Auf der unteren Collage seht ihr links in den Felsen eine kleine zarte Echse, die sofort
nach dem Foto schnell in eines der Felslöcher huschte und nicht mehr zu sehen war. Sie war
in Wirklichkeit auch so kaum wahrzunehmen, denn eigentlich war sie nicht so kräftig gefärbt
wie auf der Aufnahme - sie hatte die gleiche Farbe wie die Felsen. Aber damit ihr sie besser
erkennen könnt, habe ich ihren Farbton im Bildbearbeitungsprogramm extrem verstärkt:




Möglicherweise war der Typ von der Baustelle doch nicht so bekifft gewesen, wie er ausgesehen 
hatte, oder er hatte zumindest nicht komplett den Überblick verloren, denn zu guter Letzt fanden 
wir die Einfahrt in den Namib Naukluft Park, zu dem sowohl die von uns gesuchte 
gehören. Hier unten seht ihr zunächst mal die sogenannte Mondlandschaft, die vor ca. 450 Millionen
 Jahren entstand, wo sich der Swakop River in weiche Gesteinschichten grub.




Kein Wunder, dass hier auch manchmal Filme gedreht werden, die auf dem Mond oder fernen
Planeten spielen, stimmt's?

Gleich in der Nähe dieser bizarren Landschaft wachsen dann die wohl seltsamsten Pflanzen der Welt:
Welwitschien! Sie werden auch als "lebende Fossilien" bezeichnet, denn sie zählen zu den ältesten
Pflanzen überhaupt. Bei günstigen Bedingungen können sie 2000 Jahre alt werden. Auch wenn sie
nicht gerade zu den attraktivsten Vertretern der Pflanzenwelt zählen, ist ein Besuch bei der ältesten
Welwitschia mirabilis und ihren Artgenossinnen den Umweg zum Welwitschia Drive wert, denn
diese Pflanzen sind einzigartig und die berühmtesten Gewächse Namibias. Ihren schrulligen Namen
verdanken die Welwitschien übrigens einem Österreicher: dem Arzt und Botaniker Friedrich
Welwitsch, der diese Pflanze im Jahre 1859 entdeckte. Unter den Einheimischen tragen die
Welwitschien allerdings noch andere Namen, hier einige Beispiele:
  
>>Die Herero nennen sie onyanga, was „Wüstenzwiebel“ bedeutet. Das Mark wurde früher – roh
 oder in heißer Asche gebacken – gegessen. Auf Afrikaans heißt sie tweeblaarkanniedood, was etwa 
„Zwei-Blatt-kann-nicht-sterben“ bedeutet.<<
(Quelle: Wikipedia)




Wie ihr auf den Fotos hier sehen könnt, handelt es sich bei Welwitschien nicht gerade um
"Winzlinge". Dennoch gibt (oder gab) es offenbar immer wieder Touristen, die sie "übersehen" und
überfahren haben. Inzwischen sind die Fahrbahnen gut markiert und einige besonders alte Pflanzen
mit Steinkreisen geschützt. Leider ist die Idiotie und Ignoranz mancher Leute grenzenlos, weshalb
Camper vor einigen Jahren die angeblich älteste, zweitausendjährige Welwitschie vorsätzlich
abgebrannt haben. Nun gibt es eine andere "Älteste" (ca. 1.500 Jahre alt), die wir allerdings nicht
besuchten - wir schenkten lieber ihren fast ebenso alten Artgenossen Beachtung und ersparten
uns diese weiteren Kilometer. Für genauere botanische Informationen klickt am besten HIER.




Unser nächstes Ziel war die Hohenstein Lodge bei Usakos.
Doch wie es dort aussah und was wir dort erlebten, erzähle ich euch erst in meinem nächsten
Reiseberichts-Kapitel. Für heute danke ich euch herzlich für euer Interesse! Und ich danke euch
außerdem sehr für eure Kommentare und Verlinkungen zu meinem aktuellen ANL-Beitrag
Was sich im letzten Jahr bei den Rostrosen geändert hat - Teil 1.

Bis zum Abend des 1. Februar habt ihr noch Gelegenheit zu vielen weiteren Verlinkungen. Ich
freue mich darauf - und die Welt freut sich noch mehr 😀!

Auch dieses Posting verlinke ich übrigens (u.a. wegen der nachhaltig genutzten Reisekleidung
 und der erhaltenswerten Natur) bei ANL. Ich verlinke diesen Beitrag außerdem bei Sunnys 
Um Kopf und Kragen, bei Tinas Freitagsoutfit und bei Sabines Aktion Outfit des Monats ...
Und mit unseren roten Shirts mische ich auch wieder bei Juttas Aktion Ich sehe rot mit!

 



Fotos: Herr und Frau Rostrose
Alles Liebe von eurer reiselustigen
Traude





Klicks zu den einzelnen Kapiteln des Reiseberichtes (wird regelmäßig aktualisiert):
Einleitung - Out of Africa
Namibia Teil 2 - Kalahari-Sundowner
Namibia Teil 3 - Von der Kalahari in die Namib  
Namibia Teil 4 - Die Dünen beim Sossusvlei und Deadvlei
Namibia Teil 5 - Solitaire und Swakopmund